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Die Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen darf nicht von der Postleitzahl abhängig sein, fordert der AOK-Bundesverband mit Blick auf seinen gestern vorgestellten Versorgungs-Report. Dieser zeigt erhebliche regionale Unterschiede bei Mandel- und Blinddarm-Operationen in Deutschland. (Bild: AOK-Bundesverband)
0 Comments Dec 3, 2015 | News Germany

AOK-Report zeigt regionale Unterschiede bei Blinddarm- und Mandel-OPs

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BERLIN – Nicht nur Herkunft und soziale Lage, sondern auch der Wohnort scheinen über die Gesundheitschancen von Kindern und Jugendlichen zu entscheiden. Das zeigt der neue Versorgungs-Report 2015 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Vor allem für Mandel- und Blinddarmoperationen konnte der Report feststellen: Ob und wann operiert wird, ist regional sehr unterschiedlich.

Die Analysen des WIdO basieren auf Daten von AOK-Patienten bis 24 Jahren, bei denen im Krankenhaus entweder eine Mandelentfernung (Tonsillektomie) oder eine Teilentfernung der Mandeln (Tonsillotomie) durchgeführt wurde. Im bundesweiten Durchschnitt lag die standardisierte Operationsrate 2012 demnach bei 37 operierten Patienten pro 10.000 Einwohner. In der Region Ingolstadt lag sie bei 17 je 10.000 Einwohner, während sie sich in der Region Magdeburg mit 66 pro 10.000 Einwohnern auf das Vierfache belief.

Ein ähnliches Bild ergab sich bei den Blinddarmoperationen. Für 2012 betrug die bundesweite Operationsrate rund 27 Patienten je 10.000 Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Zwischen der Region Schleswig-Holstein Ost mit 13 Patienten pro 10.000 Einwohner und der Region Ingolstadt mit 51,8 je 10.000 Einwohner unterscheidet sich die Rate ebenfalls um das Vierfache. „Die hohen Unterschiede zwischen den Regionen können nicht allein medizinische Gründe haben. Vielmehr sind sie ein deutliches Signal, die Indikationsstellung stärker zu hinterfragen“, erklärte Jürgen Klauber, Geschäftsführer des WIdO und Mitherausgeber des Versorgungs-Reports.

Bei den Mandeloperationen wurde im Versorgungs-Report erstmals für Deutschland auch ausgewertet, in welchem Umfang im Vorfeld des Eingriffs die von den medizinischen Leitlinien für bestimmte Mandelerkrankungen empfohlene Therapie mit Antibiotika stattgefunden hat. Faktisch hatten im letzten Jahr vor dem Operations-Quartal 35 Prozent der Tonsillektomie-Patienten nicht eine einzige Mandelentzündung mit Antibiotika-Behandlung. 64 Prozent der Operierten wurden maximal in zwei Quartalen eines Dreijahreszeitraums entsprechend antibiotisch therapiert.

„Offensichtlich wurden in einem beachtlichen Teil der Fälle die Möglichkeiten der konservativen Therapie wenig oder überhaupt nicht genutzt“, so Klauber. Laut der aktuellen Leitlinie der Fachgesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und der Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin sind Tonsillektomien oder Tonsillotomien bei einer Mandelentzündung dann eine therapeutische Option, wenn in 12 bis 18 Monaten mindestens sechs Mal eine eitrige Tonsillitis mit Antibiotika therapiert wurde.

„Wir wissen erst sehr wenig darüber, woher diese regionalen Unterschiede kommen. Das müssen wir ändern, denn die Gesundheitsversorgung unserer Kinder und Jugendlichen darf nicht von der Postleitzahl abhängen. Alle Kinder haben das Recht auf die gleiche, hochwertige Versorgung“, sagte Martin Litsch, designierter Vorstand des AOK-Bundesverbandes auf der Pressekonferenz zum Erscheinen des Reports, die gestern in Berlin stattfand.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) äußerte sich in einer Pressemitteilung kritisch zum AOK-Versorgungs-Report und betont darin, dass regionale Versorgungsunterschiede viele Gründe haben können. „Wer Statistiken – runtergebrochen auf kleine regionale Einheiten – ansieht und diese, ohne die Ursachen für Unterschiede vorher zu erforschen, vergleicht, bietet keinen verantwortungsvollen Umgang mit seinen Daten. Es wäre besser, hier grundlegende Versorgungsforschung zu machen, als die Öffentlichkeit zu verunsichern“, erklärte Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der DKG. „Wir haben bei der Frage Blinddarm operieren oder Mandeln entnehmen keine einfache Entscheidung Ja oder Nein. Hier braucht es medizinischen Sachverstand und eine sinnvolle Einzelfallabschätzung. Wenn ich also die Daten nicht tiefergehend analysiere, kann ich nicht daraus freihändig ableiten, dass in Teilen Deutschlands zu schnell oder in anderen Regionen zu wenig operiert würde. Unsere dringende Empfehlung: erst erforschen und dann veröffentlichen“, so Baum.

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